Kalt ist das neue Heiß:

was steckt hinter dem Trend „Cold Drip“?

„Ab ins Hasenloch und dort die Zeit vergessen“ – ganz nach diesem Motto hat Constanze Lay ihre erste eigene Bar „The Rabbithole“ in Hamburg eröffnet und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Während der Hase mit den langen Ohren und dem Spazierstock in der ganzen Bar allgegenwärtig ist, sind es vor allem die ausgezeichneten Drinks, die die Bar zu etwas Besonderem machen. Um ihre Gäste immer wieder zu überraschen, nutzt sie Cold Drip, bei dem Spirituosen tropfenweise aromatisiert werden. Dabei entsteht eine Geschmacks- und Aromenvielfalt im Glas, die viele Gäste in ihren Drinks so noch nicht geschmeckt haben.
Constanze Lay zeigt Ihnen, wie Sie den Geheimtipp auch zu Hause nachmachen können.


Wie lässt sich Cold Drip auch zu Hause durchführen?

Constanze Lay: In der Bar nutzen wir ein entsprechendes Gerät, das aus drei Teilen besteht. Ganz oben ist ein Kolben, in den die Spirituose kommt, darunter befindet sich einer für den Aromageber, wie zum Beispiel getrocknete Früchte. Ganz unten ist dann ein Auffangbehälter. Verbunden ist alles durch ein Ventil, das die beiden oberen Kolben verbindet und die Tropfgeschwindigkeit regelt. Hört sich kompliziert an, ist es aber gar nicht. Man kann sich zu Hause das Gerät ganz simpel nachbauen. Man nehme einfach einen sehr engmaschigen Kaffeefilter oder gleich mehrere Filter hintereinander, damit die Spirituose dort nur sehr langsam durch kommt und von der Hauptkomponente aromatisiert werden kann. Die optimale Tropfgeschwindigkeit liegt bei nur einem Tropfen pro Sekunde. Unter den Kaffeefilter stellt man ein Auffanggefäß, in das die aromatisierte Spirituose tropfen kann. Im Kaffeefilter selbst befindet sich ein aromagebender Rohstoff, wie getrocknetes Obst, auf das nach und nach die Spirituose geschüttet wird.

Wodka, Gin oder Rum - alles ist möglich

Ob Kräuter, Gewürze, Früchte oder Tees – beim Cold Drip sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Welche Aromen harmonieren miteinander am besten?

Constanze Lay: Mein Steckenpferd ist seit Jahren Lavendel. Die Dosierung ist eine besondere Herausforderung. Es soll schließlich nicht nach Seife schmecken, sondern angenehm überraschen. Aber auch mit gedörrtem Obst funktioniert das Verfahren hervorragend. Nach dem Dörren kommt beispielsweise eine Banane in den Cold Drip Tower zusammen mit einem schönen Rum – in diesem Fall einen, von dem man ohnehin ein leichtes Bananenaroma vernimmt. Mit den selbstgedörrten Bananen wird der Geschmack noch einmal intensiviert. Was auch gut funktioniert: Schokolade. Erst kürzlich haben wir unseren ersten Schokoladenbitter hergestellt.

Und welche Spirituosen lassen sich besonders gut aromatisieren?

Constanze Lay: Im Prinzip kann man jede Spirituose aromatisieren. Je hochprozentiger diese jedoch ist, desto besser funktioniert es. Bei einem höheren Alkoholanteil der Spirituose, wird nämlich auch die Extraktion schöner - das ist zumindest meine Erfahrung. Ganz davon abgesehen bietet sich Wodka immer besonders an, weil er geschmacksneutral ist und man so genau weiß, welchen Geschmack man erzielt. Aber auch Gin lässt sich gut mit dem Cold Drip Verfahren aromatisieren. Oder Rum. Im Prinzip geht wirklich alles. Im Rabbithole verwenden wir auch gerne Pisco – ein Destillat aus Traubenmost. Bei unserer neuesten Kreation aromatisieren wir ihn gerade mit Hibiskus. Am Ende haben wir dann das Traubige vom Pisco und die blumige Note vom Hibiskus und das harmoniert spitze. Rundet man dies dann noch mit einem prickelnden Filler von Schweppes ab, hat man ein tolles sommerliches Getränk.

Sorgen Sie damit für mehr Vielfalt bei den Klassikern – wie beispielsweise Gin Tonic – oder überraschen Sie ihre Gäste mit ganz neuen Kreationen? Was ist ihr Lieblingsdrink?

Constanze Lay: Meinen momentanen Liebling habe ich eigentlich eben schon verraten: Der Pisco mit der Hibiskus-Note ist wirklich köstlich und auch ein absoluter Renner in der Bar. Man kann neben den außergewöhnlichen Kreationen aber natürlich auch jeden Klassiker pushen. Hierzu nimmt man ganz einfach die Grundspirituose und setzt dieser noch ein wenig von einem neuen Aroma zu. Bei uns in der Bar hat ein Drittel der Getränke in der Karte einen Cold Drip-Anteil. Dabei muss nicht immer die Hauptspirituose im Cold Drip-Verfahren hergestellt sein. Auch ein Likör, ein Bitter oder ein anderer nur sehr kleiner Teil kann mit Cold Drip hergestellt sein und so den Drink verfeinern.

Welche Filler passen denn hier besonders gut?

Constanze Lay: Bei den Fillern kommt es darauf an, mit welcher Spirituose man vorher gearbeitet hat. Ich persönliche finde ein Schweppes Soda Water oder Schweppes Dry Tonic Water schön, weil beide noch genug Raum für andere Aromen lassen und keinen Geschmack überdecken, sondern sinnvoll unterstreichen.


Rezept Coffee Diablo

Die Zutaten

40 ml Tequila Reposado
20 ml Spicy Coffee Liquer*
10 ml Limettensaft
Schweppes American Ginger Ale

Die Zubereitung

Alle Zutaten mit Eiswürfeln in ein Longdrinkglas geben und gut verrühren. Mit Limette und Chilli garnieren.

*Zubereitung Spicy Coffee Liquer:
1. Den Perkolationsbehälter mit ¾ gemahlenem Kaffee, 1 TL gehackter Chili, 2 TL gemahlenen Kakaobohnen, 2 TL Kassiarinde und 2 TL frisch gehacktem Koriander füllen.
2. 200 ml Tequila Blanco in den Lösungsmittelbehälter füllen.
3. Den Tequila 4-8 Stunden (je nach Einstellung und Zutaten) durch die Mischung tropfen lassen. Abschließend evtl. feine Bestandteile im Tequila durch einen Kaffeefilter herausfiltern.
4. Den Tequila mit 20 ml Zuckersirup und 20 ml Agavendicksaft in eine Flasche geben, verschließen und schütteln.